
Ralf Blümlein, Vorsitzender der Obdachloseninitiative „Platte”
e.V.
Wir über uns
Sie werden „Penner”, „Tippelbrüder” und „Bettler”
genannt und gehören zum alltäglichen Bild in fast allen Städten.
Für viele Menschen sind sie schlicht Alkoholiker, arbeitsscheu
und an ihrer Situation selber Schuld. Dabei wird vergessen,
dass Wohnungslosigkeit oft am Ende einer Kette von Schicksalsschlägen
steht, die ein „normales” Leben fast unmöglich gemacht haben
und die jeden treffen können.
Ohne festen Wohnsitz findet man keine Arbeit, ohne Arbeit fehlt
das Geld für eine Wohnung. Das Leben auf der Straße wird zum
Teufelskreis von Armut, Alkohol, Krankheit und oft auch Kriminalität.
Ein Großteil der wohnungslosen Menschen reist von Stadt zu Stadt,
von Herberge zu Herberge, von Parkbank zu Parkbank.
Die Obdachloseninitiative „Platte” hat sich im März 1994 in
Bingen mit der Zielsetzung gegründet, diesen Menschen unbürokratisch
zu helfen. Seit dieser Zeit solidarisieren sich engagierte Bürgerinnen
und Bürger mit wohnungslosen Menschen, um gemeinsam Schluss
zu machen mit der Diskriminierung von betroffenen Frauen und
Männern.
Integration heißt miteinander reden, Hemmschwellen und Berührungsängste
auf beiden Seiten abzubauen, gemeinsam Projekte zu entwickeln
und zu unterstützen, um so den Betroffenen den Wiedereinstieg
in die Gesellschaft zu ermöglichen. In den zurückliegenden Jahren
hat sich das Bild der Straße jedoch deutlich verändert. So sind
es nicht „nur” die Wohnungslosen, die sich in der „Straßen-Szene”
aufhalten, sondern immer mehr Menschen die am Existenzminimum
leben, finden sich hier wieder. So ist die Straße zu einem Treffpunkt
der Armut geworden. Die praktische, integrierende Hilfe in der
Arbeit mit wohnungslosen und von Wohnungslosigkeit bedrohter
Menschen sollte immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte
der anderen Menschen haben, den einzelnen Betroffenen in seiner
schwierigen Lebenssituation ernst nehmen, ohne gleich den moralischen
Zeigefinger zu heben, ohne Anspruch auf Bevormundung.
Nur so ist langfristig eine konkrete Hilfe und Wiedereingliederung
der betroffenen Menschen möglich.
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